Freiwilligkeit – Verbindlichkeit

Ziele der Arbeitsgruppe

Aufgrund der intensiven Interventionen von Unternehmensverbänden hat sich der europäische Diskurs über das Thema Unternehmensverantwortung seit einigen Jahren fast vollständig auf das aus dem anglo-amerikanischen Bereich stammende Konzept der „CSR“ (Coporate Social Responsibility) verengt. Die vorherrschende Definition dafür besagt, dass es bei CSR ausschließlich um das geht, was Unternehmen über das gesetzliche Maß hinaus freiwillig zu tun bereit sind. Die Tatsache, dass –insbesondere in den geschäftlichen Aktivitäten von transnationalen Unternehmen – nach wie vor ein großer Regulierungsbedarf besteht, um Schäden für Mensch und Natur wirksam zu verhindern, wurde demgegenüber in den Hintergrund gedrängt. Zivilgesellschaftliche Organisationen stellen dem deshalb den Begriff der „CA“ (Corporate Accountability) gegenüber, der für verbindliche Regelungen des Unternehmensverhaltens steht. In dieser Bedeutung ging das Konzept Corporate Accountability auch in die Abschlusserklärung des Weltgipfels von Johannesburg (2002) ein. Allerdings lässt die Umsetzung des Konzeptes bis heute auf sich warten. CorA und sein europäischer Dachverband ECCJ arbeiten daran, das Bewusstsein für die Notwendigkeit verbindlicher Regeln für Unternehmenshandeln weiter zu entwickeln.

Meldungen

15. Februar 2014: In ihrem Koalitionsvertrag kündigt die Bundesregierung an, die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte umzusetzen. Das CorA-Netzwerk für Unternehmensverantwortung und das Forum Menschenrechte zeigen auf, welchen Anforderungen der Umsetzungsprozess aus zivilgesellschaftlicher Sicht genügen sollte (pdf, 320 KB).

26. September 2013: Stell dir vor, 1.000 Menschen sterben und niemand ist verantwortlich. Machen Sie mit bei der Online- und Postkartenaktion unserer Mitgliedsorganisation Christliche Initiative Romero und fordern Sie von der künftigen Bundesregierung: Schluss mit Freiwilligkeit – Regeln für Unternehmen! Das CorA-Forderungspapier an Bundestag und Bundesregierung finden Sie hier.

20. September 2012: Fachtagung: Verantwortung einfordern! Die Rolle von Politik und öffentlicher Hand für mehr Unternehmensverantwortung: Mit der Verabschiedung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und der CSR-Kommunikation der EU-Kommission vom Oktober 2011, die nach zehn Jahren die definitorische Bindung von „CSR“ an das Prinzip der Freiwilligkeit aufgegeben hat und einen Richtlinienentwurf für verbindliche Offenlegungspflichten für Unternehmen ankündigt, ist neue Bewegung in die Debatte um Unternehmensverantwortung geraten. Bei der Fachtagung am 20.9.2012 in Berlin wollen wir mit ExpertInnen aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft diskutieren, welche Bedeutung diese Entwicklungen für die öffentliche Beschaffung, sozial-ökologische Berichtspflichten sowie die Entwicklung des Nationalen Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Leitprinzipien in Deutschland haben. Die Einladung und das Programm finden Sie hier (pdf, 160 KB).

01.04.11: Fachtagung “Unternehmensverantwortung – Pflicht oder Kür?” in Kooperation mit der Evangelischen Akademie zu Berlin. Eine Grundsatzdebatte um das Verhältnis von Corporate Accountability und Corporate Social Responsibility. Das Tagungsprogramm finden Sie hier.

Veröffentlichungen

Im Herbst 2011 wurde in Kooperation mit der Kampagne für saubere Kleidung der Sammelband „Mythos CSR“ veröffentlicht.
Der Sammelband widmet sich in 33 Beiträgen der Frage von Unternehmensverantwortung zwischen Freiwilligkeit und Regulierung in globalen Lieferketten. Die Publikation orientiert sich an den UN-Leitprinzipien für Unternehmen und Menschenrechte, die auf dem Rahmenwerk (Protect, Respect and Remedy) von John Ruggie, dem ehemaligen UN-Sonderbeauftragten für Menschenrechte und Unternehmen, beruhen.
Zahlreiche Aufsätze beschreiben konkrete CSR Maßnahmen und fragen nach deren Wirkung auf die Arbeitsbedingungen. Ebenso behandelt wird das Thema Transparenz und Berichtspflichten. Es werden Forderungen an die Bundesregierung aufgestellt, damit Unternehmen ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen und Menschenrechte umfangreicher berücksichtigt werden.
Das Buch wird derzeit überarbeitet. Eine Zusammenfassung der ersten Ausgabe finden Sie hier (pdf, 218 KB).

Dokumentationen

15.07.09: CorA kritisiert den Zwischenbericht zur nationalen CSR-Strategie der Bundesregierung. Die Pressemeldung finden Sie hier

08.01.09: CorA verzichtet dankend auf eine Mitwirkung im CSR-Forum der Bundesregierung. Die Begründung dazu finden Sie hier

04.07.07: Global Compact unzureichend. CorA fordert verbindliche Regeln zur Unternehmensverantwortung. Aus Anlass des zweiten “Global Compact Leaders Summit” der Vereinten Nationen in Genf hat CorA global gültige soziale, ökologische und menschenrechtliche Regeln für multinationale Konzerne verlangt. Hier die Pressemeldung dazu

Links und externe Informationen

10.07.07: Bewertung der Antwort der Bundesregierung zur Großen Anfrage der Fraktion DIE LINKE von MdB Ulla Lötzer

13.03.07: EU-Parliament calls on the EU-Commission to strengthen CSR-policy. ECCJ-Pressemeldung (engl.)

27.06.07: Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Fraktion DIE LINKE zu Unternehmensverantwortung

01.11.06: Große Anfrage der Fraktion DIE LINKE im Bundestag zur Unternehmensverantwortung .