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EIn Beitrag von Ulrich Müller, Rebalance Now

 

Wachsende Konzentration, steigende Preise und geringe Erlöse für die Landwirtschaft: Das Sondergutachten der Monopolkommission von November 2025 zeigt die negativen Folgen der Marktkonzentration im Lebensmittelsektor und -handel. Politik und Bundeskartellamt müssen der Entwicklung entschiedener entgegenwirken.

Die Monopolkommission, das unabhängige Beratungsgremium der Bundesregierung zur Wettbewerbspolitik, konzentriert sich in ihrem Sondergutachten auf die Lieferketten bei Milch, Fleisch und Getreide und hat dabei vor allem Deutschland im Blick. Hier sind die Verbraucherpreise für Lebensmittel stark gestiegen und zwar stärker als in anderen europäischen Ländern. Die Erlöse von Bäuerinnen und Bauern stiegen hingegen deutlich weniger. Die Schere zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen geht immer weiter auseinander. Die Gewinnmargen haben sich deutlich verschoben – weg von der Landwirtschaft, hin zu Industrie und Handel. Die vier Supermarktgiganten Edeka, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland, Rewe und Aldi teilen sich über 87% des Marktes untereinander auf. Auch auf der Ebene der Hersteller steigt die Konzentration an. In zeitlichem Zusammenhang dazu wachsen die Preisaufschläge auf diesen Stufen der Lieferkette.

Das Gutachten der Monopolkommission bestätigt: Die Marktmacht der Supermärkte und dominanter Lebensmittelkonzerne ist zu groß geworden. Die Rechnung zahlen die Landwirt*innen – und die Verbraucher*innen. Die Empfehlungen liefern wichtige Impulse, greifen aber an einigen Stellen zu kurz.

Bessere Kontrolle von Fusionen

Das Gutachten fordert eine striktere Kontrolle von Fusionen. Die Vorschläge konzentrieren sich dabei auf eine bessere Analyse im bestehenden Rechtsrahmen. So solle das Bundeskartellamt eine umfassendere, marktübergreifende Bewertung von Fusionen vornehmen.

Eine striktere Prüfung durch das Bundeskartellamt ist wichtig. Die Fusionskontrolle war in den letzten Jahrzehnten nicht streng genug. Sinnvoll wäre es, zusätzlich das Kartellrecht zu verschärfen. Die Schwellenwerte für eine marktbeherrschende Stellung sollten abgesenkt werden, um Konzentration früher stoppen zu können.

Sektoruntersuchung des Handels ist nötig

Ein heikles Thema im Gutachten ist eine Sektoruntersuchung des Lebensmitteleinzelhandels durch das Bundeskartellamt. Das Gutachten möchte diese Option explizit offen halten, das ist positiv. Es sieht sie aber als sekundär gegenüber nachträglichen Evaluierungen vergangener Fusionen.

Die Initiative „Konzernmacht beschränken“ fordert dagegen eine baldige Sektoruntersuchung durch das Bundeskartellamt. Eine Sektoruntersuchung ist die richtige Antwort auf die festgestellten Wettbewerbsprobleme beim Handel. Sie erlaubt vertiefte Analysen, die auch interne Daten des Handels umfassen. Sie eröffnet zudem die Möglichkeit für konkrete Abhilfemaßnahmen bis zu Aufspaltungen der dominanten Supermarkt- und Discounterketten.

Missbrauchskontrolle stärken und erweitern

Das Gutachten fordert außerdem eine effektivere Missbrauchskontrolle, um den Missbrauch von Marktmacht und unfairen Handelspraktiken einzudämmen. Das ist sinnvoll, allerdings sind die konkreten Vorschläge diskussionswürdig. Positiv sind die Vorschläge für eine bessere Rechtsdurchsetzung etwa durch Verbandsklagerechte. Kritisch ist der Vorschlag, den Schutz vor unfairen Handelspraktiken auf landwirtschaftliche Betriebe zu beschränken. Das übersieht, wie stark kleine Hersteller unter unfairen Handelspraktiken leiden. Die Regeln gegen unfaire Handelspraktiken im Agrarorganisationen- und Lieferkettengesetz (AgrarOLkG) sollten vielmehr ausgeweitet werden, u.a. durch eine Generalklausel zum Verbot unfairer Handelspraktiken, eine Ombudsstelle, ein Gebot kostendeckender Einkaufspreise und eine Preis- & Margenbeobachtungsstelle.

Insgesamt zeigt das Gutachten, dass mehr passieren muss, um die Machtkonzentration in Lebensmittellieferketten zu stoppen. Dafür liefert es wichtige Impulse. Jetzt kommt es darauf an, diese in die Praxis umzusetzen – und an einigen Stellen darüber hinaus zu gehen. Das Thema ist politisch brisant: Steigende Preise gefährden den sozialen Zusammenhalt und treffen einkommens­schwache Haushalte besonders hart. Die Machtungleichgewichte erschweren die nötige Transformation in der Landwirtschaft. Politik und Bundeskartellamt müssen jetzt der Konzentration entschieden entgegenwirken.